Die zwei Gesichter des 9. November

Veröffentlicht am 08.11.2019 in Allgemein

Was für ein Datum! Der neunte November 1989 prägte unser aller Leben. Viele von uns können sich gut daran erinnern, aber nicht nur an exakt dieses Datum, sondern auch an die entscheidende Zeit davor. An die Monate voller wichtiger politischer Ereignisse und Entscheidungen, des Hoffens und des Bangens. Der Wendeherbst – der friedliche Wendeherbst! 

Mir stellte eine Freundin aus den alten Bundesländer die Frage, ob nun alles besser ist? Sind wir alle schöner, reicher, glücklicher geworden? „Das ist nicht entscheidend“, habe ich ihr geantwortet. „Wir haben das, wonach wir uns am meisten gesehnt haben: Frieden, Freiheit und Demokratie. Diese drei Kernelemente zu gestalten und zu bewahren, dass liegt an uns.“ Es ist ein immerwährender Prozess, der noch mit dem Sahnehäubchen „Gerechtigkeit“ z.B. in der Bezahlung der Gehälter dreißig Jahre nach Mauerfall, zu garnieren wäre.

Es gibt unzählig viele Menschen in Deutschland– aus Ost und West – die sich alltäglich für Frieden, Freiheit und Demokratie einsetzen. Ihnen sei an diesem so geschichtsträchtigen Datum gedankt. Denn ohne ihr Engagement wäre das Erbe der friedlichen Montagsdemonstranten nichts wert.

Der neunte November erweckt in der jüngeren Generation die Erinnerungen an den Mauerfall und somit Freude. Am neunten und zehnten November 1938 erlebte Deutschland aber auch eine seiner fürchterlichsten Nächte in der Geschichte. Es ist auch das Datum der Pogromnacht. Liebe Freunde, Mitstreiter und Interessierte, die Mauer ist überwunden, der Antisemitismus leider ist es nicht.

Gedenkt am 9.11. nicht nur dem Mauerfall. Stellt für die Opfer des Faschismus eine Kerze in eure Fenster und lasst uns zusammen alles dafür tun, dass Antisemitismus - egal aus welcher Ecke er gekrochen kommen mag – nie wieder auf fruchtbaren Boden in Deutschland fällt!

 

Assol Urrutia-Grothe

 
 

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