Zum Beschluss des Umweltausschusses des Brandenburger Landtages: Abschussfreigabe für Nebelkrähen und Elstern

Veröffentlicht am 15.03.2008 in Umwelt
Dr. Andreas Steiner
Dr. Andreas Steiner

Nicht selten ist es für mich unverständlich, auf welchen sachlichen Grundlagen der Umweltausschuss des Brandenburger Landtages Beschlüsse fasst. So hat das Fachgremium nun grünes Licht für den Abschuss von Nebelkrähen und Elstern erteilt. Diese Rabenvögel würden sich, weil sie angeblich keine natürlichen Feinde haben, zu stark vermehren und seltene Singvögel und Niederwild dezimieren. Besser wäre es gewesen, wenn sich die Ausschussmitglieder den Rat von Ornithologen eingeholt hätten. Auf diese Weise hätte man sich derartige Peinlichkeiten an Unkenntnis erspart.

Tatsache ist: In Brandenburg existieren keine Nachweise für eine dramatische Zunahme dieser Rabenvogelpopulationen. Falsch ist auch, wenn behauptet wird, dass Nebelkrähen und Elstern keine natürlichen Feinde hätten, denn Greifvögel wie der Habicht zählen dazu. Ein Märchen ist es ebenfalls, dass Nebelkrähen für den Rückgang des Niederwilds verantwortlich sind.
Richtig ist vielmehr, dass dem Feldhasen und dem Rebhuhn durch die Intensivierung der Landwirtschaft und dem Roden von Hecken und Feldgehölzen Schutz und Lebensräume zunehmend genommen werden. Der Mensch könnte hierbei durch die Schaffung einer strukturreichen Landschaft auf behutsame Weise regulativ ansetzen und damit gleichzeitig noch andere Nutzwirkungen erzielen.

Eine Abschussfreigabe ist also nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen biologisch unsinnig und würde die Bestandssituation von Singvögeln und jagdbaren Niederwildarten nicht verbessern, sondern die Landschaft zusätzlich mit Blei belasten. Zudem würde man das Töten von Eulen und Falken in Kauf nehmen, welche die Nester von Elstern und Krähen häufig nachnutzen.

Nebelkrähen und Elstern sind vielseitige Allesfresser und Nahrungsopportunisten. Als Fressfeinde schöpfen sie in der Regel nur die produzierten Überschüsse des Nachwuchses dominanter Singvogelarten ab. Dementsprechend greifen sie auf solche Nahrung zurück, die häufig vorhanden ist und leicht erschlossen werden kann. Sie übernehmen vielfältige und wichtige Funktionen im Ökosystem und halten nicht zuletzt als Aasfresser bzw. als „Müllwerker des Tierreiches“ die „Landschaft sauber“.

Abschusserteilungen von Rabenvögeln müssten wie bisher auf Sonderfälle beschränkt bleiben. Ansonsten sollte der Mensch der Natur, die immer bestrebt sein wird, von sich heraus ins Gleichgewicht zu gelangen, nicht zu sehr ins Handwerk pfuschen.

Vor dem Hintergrund der Entscheidung des Umweltausschusses muss ich mich wirklich fragen:
Ist die Abschussfreigabe für Nebelkrähen und Elstern in Brandenburg nicht nur ein Geschenk an den einflussreichen Landesjagdverband, sondern gleichzeitig ein Zugeständnis der SPD-Landtagsfraktion an die CDU? Will man nun auf diese Weise den Koalitionsfrieden wiederherstellen, der mit dem jüngsten Vorstoß der SPD in Sachen Sozialticket etwas angekratzt ist?

Dr. Andreas Steiner

 
 

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