Sinnsuche beim ifo-Institut

Veröffentlicht am 12.04.2007 in Wirtschaft

In seinem wöchentlichen Kurzkommentar setzt sich Egon W. Kreutzer diesmal kritisch mit den mehr (oder weniger) sinnvollen Thesen des Münchener Ökonomen Prof. Hans-Werner Sinn auseinander.

Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft
Department of Economics, University of Munich
Schackstr. 4, 80539 Munich (Germany)

Das ist die offizielle Adressangabe eines deutschen Professors an einer bayrischen Universität.
Diese Adresse erscheint auf seinen Internetseiten auch dann unverändert so, wenn man der Versuchung nachgibt, und die deutschsprachige Version der Homepage durch Anklicken der schwarz-rot-goldenen Fahne aufruft: http://www.lrz-muenchen.de/~ces/lindex.htm

Da schämt sich offenbar einer, "nur" in Deutschland zu lehren. Er schämt sich so sehr, dass er München von Deutschland nach "Germany" verlegt, um es dann umzubenennen, von München in "Munich"; was ihm dann ermöglicht, auch die Münchner Ludwig Maximilians Universität als "University of Munich" zu bezeichnen und die dortige volkswirtschaftliche Fakultät zum "Department of Economics" zu verballhornen.

Wie ist so etwas möglich?
Welchen Sinn kann es haben?

Professor Hans Werner Sinn, der Inhaber dieses Lehrstuhls, dessen Lehrtätigkeit mit Steuergeldern honoriert wird, schafft es immer wieder, die Frage aufzuwerfen, wie "so etwas" möglich sein kann, und welchen Sinn "es" haben könnte.
Nomen est omen, meint zwar schon der esoterisch angehauchte Lateiner - doch selbst die kühle Logik bestätigt, es steckt nichts weiter dahinter:

Sinn ist Sinn. Mehr geht nicht. Wer nach Sinn verlangt, wo Sinn bereits ist, beweist nur seine Unfähigkeit, den Sinn zu erkennen.

Es fällt mir schwer, mich hier zu outen, doch bin auch ich bis heute nicht in der Lage, die Fesseln dieser Unfähigkeit zu überwinden. Falls irgendwo da draußen jemand ist, der mir helfen kann, so bitte ich dringend um Antwort auf einige wenige Fragen:

Erstens
Wie kann es sein, dass

ein Professor der Nationalökonomie und der Finanzwissenschaften; der seine wechselnden Standpunkte fein säuberlich durchnummeriert, bei Einnahme seines 82. Standpunktes die Auffassung vertritt: Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur.

Ich verzweifle an dem mir unauflösbar erscheinenden Widerspruch zwischen
· dem Bild des forschenden und lehrenden Professors, das ich mir in naivem Glauben und einigermaßen ehrfürchtig bis heute erhalten habe, wenn ich an die in Hochschulen betriebene Wissenschaft denke, und
· dem offenkundigen Fehler (es fehlt etwas) im wirtschaftswissenschaftlichen Gesamtbild dieses speziellen Professors.

Selbst wenn Hans Werner Sinn ein Roboter wäre, dem das anzustrebende Maschinenparadies als eine menschenleere Welt voller Roboter in die Schaltkreise eingebrannt ist - er müsste, bei ordnungsgemäß bestückter Logik-Platine doch erkennen, dass diese Robotwelt ohne Konsum (zumindest von Energie und Maschinenöl) nur zum toten, sinnleeren Existieren, nicht aber zum sinnvollen Funktionieren fähig wäre.
Wie also soll Konsum schädlich sein, für das wirtschaftliche Wachstum?

Am Ende dieser These sehe ich eine Welt voller Fabriken, in denen Fabriken erzeugt werden, die wiederum Fabriken herstellen, welche Fabriken herstellen.
Ein sich rasend beschleunigender Prozess von explosionsartig wachsenden Investitionen um des Investierens Willen. Nein, ich bin unfähig, darin einen Sinn zu finden. Im Gegenteil, je öfter ich diesen Gedanken denke, desto größer wird meine Furcht, über solchem Sinnen den Verstand zu verlieren.

Wer kann mir helfen?
Es kann doch nicht so schwer sein?

Politiker aus Kommunen, Bezirken, Kreisen, Ländern und dem Bund haben es doch auch kapiert. Journalisten von Regionalblättern, überregionalen Zeitungen, Magazinen und Programmzeitschriften, von Sendeanstalten und Online-Diensten haben es verstanden und beten es in millionenfachen Auflagen nach. Unternehmer und ihre Verbandsfunktionäre, Chefvolkswirte deutscher Banken und Versicherungsunternehmen, alle haben kapiert, dass Konsum schädlich für das wirtschaftliche Wachstum ist, und unnötig für die Konjunktur obendrein, und wehren sich mit dem Mut der Verzweiflung gegen konsumfördernde Lohnerhöhungen, wie sie von den Gewerkschaften in der diesjährigen Saison wieder einmal etwas mutiger vorgetragen werden.

Da wird sich doch einer finden, der mir hilft, meine Denkblockade zu überwinden und den tieferen Sinn zu finden.

Zweitens
Wie kann es sein, dass

der gleiche Professor der Nationalökonomie und der Finanzwissenschaften vom gleichen Standpunkt (Nr. 82) aus die Auffassung vertritt:

"Die höheren Investitionen bewirken selbst den höheren Konsum, zu dessen Befriedigung sie gebraucht werden."?

Wenn Herr Professor Sinn den Standpunkt gewechselt hätte, also zum Beispiel von Standpunkt 82 auf Standpunkt 95 gesprungen wäre, um von dort aus diese Erkenntnis zu verbreiten, dann könnte man entschuldigend annehmen, dass möglicherweise der Erkenntnisprozess fortgeschritten und der alte Standpunkt überholt ist - aber so?

Es ist ein Paradoxon von seltener Schönheit.
· Höhere Investitionen (also Wachstum)
· bewirken höheren Konsum (der, wie wir gehört haben, schädlich ist für das Wachstum),
· weil diese höheren Investitionen (also das Wachstum)
· gebraucht werden, um den (wachstumsschädlichen) Konsum, den sie bewirken, zu befriedigen.

Gut, ein "befriedigter Konsum" ist schon auch ein recht seltsamer Begriff, aber mit ein bisschen gutem Willen kann ich mir noch vorstellen, was damit gemeint ist, da sehe ich kein Problem, aber:
· dass der Konsum einerseits dem Wachstum schadet,
· andererseits aber das Wachstum nur erfolgt, weil es zur Befriedigung des Konsums benötigt wird,
das geht wieder nicht mehr in meinen Kopf. Da setzt diese Angst wieder ein, an Erkenntnissen, die so weit über meinen Horizont hinausgehen, irre zu werden.

Wer kann mir helfen?
Es kann doch nicht so schwer sein?

Dieser Professor beschäftigt ein recht umfangreiches Team von Mitarbeitern, die müssen das doch alle kapiert haben, und er lehrt auch noch. Eine große Zahl von Studenten muss begriffen haben, wie das zusammenhängt, sonst könnte keiner mehr mit dem angestrebten Diplom nach Hause ziehen. Es wird sich doch irgendjemand finden, der sich das bisschen Mühe gibt, mich von den Scheuklappen zu befreien, die mich hindern, den Sinn auch dann noch zu erkennen, auch wenn er nicht direkt vor mir, sondern irgendwie daneben steht.

Drittens
(Wie kann es sein, dass...)

Wer ernstlich gewillt ist, mir zur Erkenntnis zu verhelfen, der möge doch bitte jetzt den Standpunkt Nr. 82 lesen. Er ist hier zu finden: http://www.cesifogroup.de/portal/page?_pageid=36,34713&_dad=portal&_schema=PORTAL

Seine Überschrift:
"Autos kaufen keine Autos"
klingt ja noch absolut sinnvoll und überzeugend. Doch beim Weiterlesen merkt man schnell, dass der Verfasser diese Aussage nicht unterstützen, sondern mit allerlei drolligen Argumenten vom Tisch fegen will.

Es könnte daher sein, dass die Zahl derjenigen, die glauben, mir den Sinn erklären zu können, bei der Lektüre noch einmal stark schrumpft. Aber falls jemand übrig bleibt, dann würde ich dem gerne eine weitere Frage stellen, damit ich eines Tages vielleicht auch verstehen kann, warum alle Welt glaubt, dass das ifo-Institut, dem Herr Professor Hans Werner Sinn vorsteht, die Zukunft vorhersagen kann.

Ja, es geht um den ifo-Geschäftsklimaindex.

Da werden jeden Monat einmal rund 7.000 Unternehmen befragt, ob sie ihre aktuelle Lage als gut, befriedigend oder schlecht bezeichnen - und die gleichen 7000 Unternehmen werden gefragt, ob Sie ihre Aussichten für die nächsten 6 Monate günstiger, ungünstiger oder gleichbleibend einschätzen.

Mehr wird nicht gefragt. Es gibt insgesamt 9 Antwortmöglichkeiten

· gut-günstiger
· gut gleichbleibend
· gut-ungünstiger
· befriedigend-günstiger
· befriedigend-gleichbleibend
· befriedigend-ungünstiger
· schlecht-günstiger
· schlecht-gleichbleibend
· schlecht-ungünstiger

Wenn Herr Kachelmann - zum Vergleich - monatlich einmal per Umfrage feststellen ließe, ob das Wetter als gut, befriedigend oder schlecht empfunden wird, und gleichzeitig fragen ließe, ob das nach Ansicht der Befragten wohl eher für die nächsten 6 Monate so bleiben, besser oder schlechter werden wird, dann erforderte es sehr viel Mut und größtes Vertrauen, dass die Deutschen alles glauben, was im Fernsehen gesagt wird, um daraus einmal monatlich eine Langfrist-Wetterprognose herzuleiten und nach den Tagesthemen öffentlich vorzutragen.

Das ifo-Institut kennt solche Skrupel nicht - und die institutionelle Öffentlichkeit spielt das Orakelspiel begeistert mit. Tage vor der Veröffentlichung der neuesten Index-Zahl schreiben sich die Wirtschaftsjournalisten die Finger wund, an Prognosen darüber, wie die Prognose wohl ausfallen wird, und noch Tage nach der Veröffentlichung schreiben sich die gleichen Wirtschaftsjournalisten die Finger wund, weil sie nun glauben begründen zu müssen und zu können, warum der Index zum allgemeinen Erstaunen wieder anders ausgefallen ist, als von den Beobachtern vorher erwartet.

Die Konjunktur ist - so wie ich Professor Sinn verstehe, auch wenn ich die Logik nicht verstehe - ein Regelkreis, der sich stetig selbst auf einen unbefriedigenden Mittelwert einpendelt. Das Geschäftsklima verbessert sich, wenn sich der störende Konsum rückläufig entwickelt. Weil es sich verbessert, entstehen aber Investitionen, die wiederum Konsum hervorrufen, der dann das Geschäftsklima verschlechtert.

Es kann eigentlich gar nicht anders sein.

Nur der unbefriedigende Mittelwert bietet die Chance,
· mit neuen Prognosen Hoffnungen zu wecken und mit neuen Standpunkten neue, das Regierungshandeln unterstützende Weisheiten zu verbreiten,
· oder, wenn im Ernstfall, der nie eintreten möge, der Bundeskanzler wieder einmal von den anderen gestellt werden sollte, die Chance, vom unbefriedigenden Mittelwert her mit neuen Prognosen neue Ängste zu schüren und mit neuen Standpunkten immer neue Maßnahmen anzumahnen.

Daraus folgt sie nun, die letzte, verzweifelnd zweifelnde Frage:
Gibt es vielleicht doch einen Sinn hinter dem Sinn?
Einen hyper-hintersinnigen Hintersinn?

Und wenn ein Sinn sich letztlich doch nicht finden lassen sollte,
was ist dann mit dem Zweck?

Mit Ross und Reiter, mit Liedsingen und Brotessen, mit Buckeln und Treten, mit Pudel und Kern?

Herr Professor Hans Werner Sinn ist übrigens, auch das soll nicht unerwähnt bleiben,
Träger des Bundesverdienstkreuzes.

1999 Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Germany) und
2005 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Germany).

Ach,
wie viel lieber würde ich staatstragend mitehren, statt immer nur in Frage zu stellen,
könnte ich nur Sinn und Zweck erkennen ...

Quelle: Paukenschlag am Donnerstag, der wöchentliche Kurzkommentar (No. 15)

 
 

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