Ferkelaufzuchtanlage in Ziethen: nein! Sondermüllverbrennungsanlage in Eberswalde: egal?

Veröffentlicht am 14.01.2008 in Umwelt
Dr. Andreas Steiner
Dr. Andreas Steiner

In einem
Artikel der Märkischen Oderzeitung spricht sich die Leitung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin gegen den geplanten Ferkelaufzuchtbetrieb in Ziethen aus. Als Begründung wird herangeführt, dass diese Anlage im Landschaftsschutzgebiet und zugleich in unmittelbarer Nähe zu FFH-Gebieten liegt. Aufgrund dessen sowie wegen der Art des Betriebs sei "mit einer Beeinträchtigung der Landschaft zu rechnen". Zudem würde man Probleme für die touristische Entwicklung der Region sehen.
Eine deutliche Positionierung, und die aufgeführten Argumente sind meines Erachtens gut und richtig. Jedoch:

Mir ist nicht bekannt, dass sich die Biosphärenreservatsleitung bislang gegen die mittlerweile vom Landesumweltamt genehmigte Sondermüllverbrennungsanlage der Theo Steil GmbH in Eberswalde ausgesprochen hat, obwohl diese zum größten Schadstoffemittenten in der Region werden dürfte. Nach internen Informationen haben sich die Mitarbeiter dieser Einrichtung selbst einen Maulkorb verordnet, um nicht Gefahr zu laufen, den Genehmigungsbescheid ihres Dienstherren, des Landesumweltamtes, zu unterlaufen.
Bedauerlich, weil die Leitung des Biosphärenreservates mehr Mut besitzen sollte, wenn es um wichtige regionale Umweltbelange geht, bei denen ihr fachlicher Rat erwünscht ist. Unterschiedliche Maßstäbe anzulegen, ist daher nicht angebracht.

Denn nicht nur Massentierhaltungen stehen einer zukunftsorientierten Entwicklung des Barnims entgegen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Natur und Umwelt in einem weitaus stärkeren Maße durch Inbetriebnahme dieser Sondermüllverbrennungsanlage geschädigt werden. Das dürfte aber auch der Leitung des Biosphärenreservates bekannt sein.

Verschärfend kommt hinzu, dass Sondermüllverbrennungsanlagen nicht unwesentliche Mengen an Schwermetallen und Sevesogiften (Dioxine und Furane) freisetzen, die im Vergleich zu den bei einer Ferkelaufzucht entstehenden Nähr- und Schadstoffen nicht biologisch abbaubar sind und deshalb verstärkt in der Landschaft akkumulieren.
Solche Umweltgifte bleiben nicht auf den Eberswalder Raum beschränkt. Mit dem Wind werden sie weit verbreitet und gelangen auch in die sensiblen, schützenswerten Gebiete des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Welche Langzeitschäden sie dort anrichten, ist kaum abschätzbar.

Dr. Andreas Steiner

 
 

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