Die „Allee Rüdnitz-Danewitz“ konnte gerettet werden!

Veröffentlicht am 07.10.2006 in Kommunalpolitik

Dr. Andreas Steiner

Heimlich, still und leise sollte der komplette Alleenaltbestand an der Kreisstraße 6005 zwischen den Ortschaften Rüdnitz und Danewitz bis zur Landesstraße 29 im Zuge von Straßenverbreiterungsarbeiten beseitigt werden. Die Kreisverwaltung Barnim sah es als nicht erforderlich an, die betroffenen Gemeinden sowie den zuständigen Umweltausschuss (A5) des Kreistages über ihr Bauvorhaben zu informieren.

Klar ist, dass es sich nicht mehr so bequem regieren lässt, wenn zuviel Kontrolle von kritischen politischen Gremien ausgeübt wird. In diesem Zusammenhang kam wohl auch die parlamentarische Sommerpause ganz gelegen.
Doch wachsame und engagierte Bürgerinnen und Bürger stellten eine breite Öffentlichkeit her und durchkreuzten die „Pläne zur Geheimhaltung“. Analog schaltete sich das Landesumweltamt ein und untersagte schließlich die bevorstehende Umwelt-Barbarei. Diesem Urteil hat sich der Wirtschaftsdezernent Carsten Bockhardt dann zähneknirschend gebeugt. Balsam für all diejenigen, die den Glauben an die Demokratie sowie die Unabhängigkeit von politischen Instanzen noch nicht verloren haben. Also, manchmal geht doch was!

Der smarte Bockhardt präsentierte sich als sportlicher Verlierer. Sein medienwirksam taktischer Rückzug glich einer Flucht nach vorn. In Anbetracht des laufenden Wahlkampfes eine einsichtige Entscheidung, denn die frische Rodung von 726 Alleebäumen wäre für den wirtschaftnahen CDU-Bürgermeisterkandidaten der Waldstadt Eberswalde sicherlich kein gutes Aushängeschild geworden. Anmaßend war allerdings seine Kritik am Urteil des Landesumweltamtes. Das LUA hat zweifellos die richtige Entscheidung mit Blick auf den gesetzlich verankerten Alleen- und Artenschutz getroffen. Und nicht nur in diesem Sinne. Denn auch die geringe aktuelle und zukünftige Verkehrsbelegung hätte den hohen finanziellen Aufwand für den Straßenausbau nicht gerechtfertigt. Folgerichtig gab es also kein übergeordnetes Gemeinwohlinteresse für die Fällung der Bäume. Konkret: Für die Dorfverbindungsstraße von etwa 6 km Länge mit einer Frequentierung von mehreren hundert Fahrzeugen pro Tag sollten u.a. rund 2,5 Mio. Euro an EU-Fördermitteln verbaut werden. Nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein ökonomischer Unsinn!

Obwohl dieser Schildbürgerstreich gerade noch verhindert werden konnte, bleibt ein schlechter Nachgeschmack zurück. In der Kreisverwaltung hatte man offenbar keine Skrupel, diesbezügliche Verstöße gegen die bestehende Naturschutzgesetzgebung einzuplanen. Bereits in der Vergangenheit schlugen mehrere Versuche fehl, die Allee Rüdnitz-Danewitz zu beseitigen. Jüngst wurde mit Hilfe eines in Auftrag gegebenen, unzureichend erstellten Gutachtens des Panketaler Professors Volker Rudolph vorgegaukelt, dass sich die Straßenbäume in einem nicht erhaltungswürdigen Zustand befinden. Die Fachleute des Landesumweltamtes ließen sich davon aber nicht täuschen. Sie forderten zusätzlich das Protokoll der Baumschau vom Juli diesen Jahres an, welches alle Alleebäume, bis auf eine Linde, als nicht verkehrsgefährdend auswies. Rudolph, der bislang jede von ihm begutachtete Allee zur Fällung empfahl, ist für die regional tätigen Naturfreunde kein unbeschriebenes Blatt. Vor einigen Jahren wäre die geschützte Buchenallee nach Zernikow im Landkreis Oberhavel durch sein Baumgutachten beinahe der Zerstörung ausgeliefert worden, hätte nicht die Grüne Liga Geld zusammengekratzt und diesen Naturfrevel per Eilverfügung quasi in letzter Minute gestoppt.

An dieser Stelle möchte ich allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die für den Erhalt der Allee gekämpft haben, meinen herzlichen Dank aussprechen! Stefan Stahlbaum (Bündnis 90/Die Grünen Niederbarnim) rief bereits Ende Juli zu einer Protest-E-Mail-Aktion gegen die Komplettfällung auf. Sie war gerichtet an die Untere Naturschutzbehörde, das Bauordnungsamt und den Wirtschaftsdezernenten des Landkreises Barnim. Der Einsatz der grünen Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm mit ihrem an den Präsidenten des Landesumweltamtes Brandenburg gerichteten offenen Brief hatte ein besonderes Gewicht. Verschiedene miteinander korrespondierende, stets aktuelle Weblogs und Informationsforen wie der-ruednitzer.de, hauptstadtblog.de, stefan-metze.de, ruednitz-journal.de, andykroll.de und karldietz.de hielten die Sache am Kochen. Es war schon erstaunlich, wie viele Verbündete durch das neue Medium Internet in kurzer Zeit gewonnen werden konnten. Der Protest per Weblog kann de facto als eine neue Dimension der Vernetzung gewertet werden. Gedankt sei den Printmedien wie der Märkischen Oderzeitung, der Berliner Zeitung und der BZ für ihre redaktionelle Begleitung. Geholfen hat auch der rbb mit seiner Redakteurin Frauke Niemeyer, die am 31.08.06 in der Abendsendung „Brandenburg aktuell“ einen Bericht über die Alleenproblematik erstellen ließ. Große Unterstützung leistete mein ver.di-Kollege Carsten Zinn als auch Dr. Elvira Kirschstein sowie die Kreistagsabgeordneten Dr. Gert Adler (SPD), Prof. Dr. Jürgen Elsner (PDS) und Dr. Günther Spangenberg (BKB/Freie Wähler). Dem versierten Dendroentomologen Georg Möller danke ich für seinen fachlichen Rat zur Beurteilung des Vitalitätszustandes der Allee. Die Naturschutzorganisation Grüne Liga Brandenburg erklärte sich frühzeitig bereit, im Falle eines negativen Bescheides des LUA gegen die geplanten Baumfällungen rechtlich vorzugehen. Ich selbst wollte ursprünglich nur Impulse geben, sah dann aber die dringende Notwendigkeit in der Koordination der Protestaktion. Mit vielen Korrespondenzen habe ich bundesweit auf die Umwelt-Barbarei aufmerksam gemacht und konnte damit noch mehr Leute für diese Angelegenheit sensibilisieren und mobilisieren.

Nach dem Lob sei auch an Tadel nicht gespart: Dieser geht an die Untere Naturschutzbehörde und den Naturschutzbeirat des Landkreises. Beide versagten in ihrer Kontroll- und Beratungsfunktion und wurden zu Steigbügelhaltern von Entscheidungsträgern in der Kreisverwaltung. Früh eingeknickt sind der Naturpark Barnim und die regional ansässigen Naturschutzverbände. Ihr vorauseilender Gehorsam war kontraproduktiv. So wurde der NABU mit Ausgleichszahlungen und Ersatzpflanzungen geködert, um die vermeintlich notwendigen Fällungen zu legitimieren. Auch die Alleenreferentin des BUND Brandenburg, Silke Friemel, war uns keine große Hilfe. Frühzeitig sah sie ein Engagement als nicht erfolgversprechend an und engagierte sich lieber medienwirksam in der Annenwalder Alleenproblematik (Landkreis Uckermark).

Wer aber glaubt, dass mit der Rettung der Allee Rüdnitz-Danewitz das Thema nun vom Tisch sei, der irrt! Wir müssen uns weiter mit der Sache befassen. Das gilt auch für den Umweltausschuss des Kreistages. So halte ich den Vorschlag des Vize-Landrats Bockhardt, die K 6005 in eine Einbahnstraße umzuwidmen - je nachdem wie er gemeint war - für einen großen Unsinn oder für reine Polemik. Vermutlich trifft letzteres zu, wobei Bockhardt hier wohl auf plumpe Weise versucht, die Einwohner von Rüdnitz und Danewitz gegen die Entscheidung des Landesumweltamtes sowie gegen die erfolgreichen Naturschützer aufzubringen. Dem setze ich argumentativ entgegen, dass jetzt die beste Lösung für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort erarbeitet werden muss! Mit Blick auf die Alleenstraße bedeutet dies meines Erachtens eine Fahrbahnoberflächenerneuerung bei Schonung der Bäume und, wenn erforderlich, eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Außerdem sollte der Landkreis endlich seiner Verpflichtung nachkommen, hier kontinuierlich eine fachgerechte Baumpflege zu betreiben. Des weiteren muss der Streusalzeinsatz im Winter zum Schutze der Bäume auf das Notwendigste beschränkt werden. Unter diesen Maßgaben hätten wir noch einige Jahrzehnte Freude an der schönen alten Allee.

Ein chronologisch aufgebauter Pressespiegel bezüglich der Alleenproblematik Rüdnitz-Danewitz ist sowohl auf dieser Website als auch auf der Homepage der Grünen Niederbarnim (www.gruene-niederbarnim.de) einzusehen.

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Dr. Andreas Steiner (SPD)
Sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft (A5) des Kreistages Barnim

 
 

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