Alles nur Kosmetik? Mitnichten: Neufassung der Kosmetikverordnung

Veröffentlicht am 27.03.2009 in Europa

Unter der Federführung der deutschen Sozialdemokratin Dagmar Roth-Behrendt wurde am Dienstag im Plenum eine Aktualisierung des EU-Kosmetikrechts verabschiedet. Mit dieser Verordnung soll das Kosmetikrecht vereinfacht werden. Das Hauptziel der Verordnung ist die Gewährleistung eines hohen Sicherheitsniveaus von kosmetischen Mitteln zum Nutzen der Verbraucher. Eine erhöhte Marktüberwachung, die Stärkung der Verantwortung der Hersteller und eine Reduzierung unnötigen Verwaltungsaufwands werden ebenfalls angestrebt.

Für die Sozialdemokraten stehen die Sicherheitsüberprüfungen kosmetischer Produkte an erster Stelle. Schließlich werden Seifen, Deodorants oder Rasierwasser direkt auf die Haut aufgetragen und dürfen keine Risiken darstellen. Das gilt insbesondere für neue Substanzen, die noch nicht ausreichend erforschte Nanopartikel enthalten. Nanopartikel sind besonders kleine Substanzen, die leicht selbst tiefere Hautschichten durchdringen und auf diese Weise auch in die Blutbahn gelangen können. Deshalb ist es notwendig, diesen Partikeln besondere Aufmerksamkeit zu widmen und ihre Wirkungsweise genau zu untersuchen. Nur wenn diese Nanopartikel keine Gefährdung für die Gesundheit darstellen, dürfen sie künftig verwendet werden. Hersteller, die Produkte mit Nanomaterialien auf den Markt bringen wollen, müssen in Zukunft die EU-Kommission darüber informieren und gleichzeitig eine Reihe von Sicherheitsnachweisen erbringen. Sollte die Kommission Zweifel an der Sicherheit dieser Produkte haben, kann sie eine zusätzliche Überprüfung veranlassen. Die Abgeordneten haben sich auch dafür eingesetzt, dass Produkte, die Nanomaterialien enthalten, gekennzeichnet werden, damit die Verbraucher darüber informiert sind.

Das Parlament hat weiterhin festgelegt, dass krebserregende, erbgutverändernde oder die Fortpflanzung schädigende Stoffe in Kosmetika generell verboten bleiben. Lediglich für Ethanol (Alkohol) und Vitamin A werden unter strengen Bedingungen Ausnahmen gewährt, da diese auch in Lebensmitteln zugelassen sind.

Was die Bewerbung von Kosmetika angeht, hat sich das EU-Parlament gegen die Mitgliedstaaten dahingehend durchgesetzt, dass nur mit denjenigen Eigenschaften geworben werden darf, die das Produkt auch tatsächlich hat und die wissenschaftlich erwiesen sind. Ziel ist es nicht, die Werbung einzuschränken, sondern den Verbraucher nicht in die Irre zu führen. Verbraucher dürfen nicht mit falschen Versprechungen oder überzogenen Erwartungen an ein Produkt herangeführt werden, sondern sollen sich darauf verlassen können, dass Produkte das halten, was sie versprechen.

Hintergrund:
EU-Regelungen zu Kosmetika wurden erstmals 1976 erlassen und seitdem immer wieder verändert und angepasst. Die vorliegende Aktualisierung der Kosmetikverordnung ist das Resultat eines Kompromisses mit dem Ministerrat. Damit ist das Gesetzgebungsverfahren bereits in erster Lesung abgeschlossen. Die Verordnung wird in allen Mitgliedstaaten gelten und spätestens 42 Monate nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU verpflichtend anzuwenden sein. Eine Ausnahme stellen die Bestimmungen über krebserregende, erbgutverändernde oder die Fortpflanzung schädigende Stoffe dar, die schon früher zu berücksichtigen sind.

 
 

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